Oldtimer-Gönneranlass
Ansprache des Präsidenten der GMMZ
Werte Gäste
Geschätzte Gönnerinnen und Gönner
Geschätztes GPD-Team
Im Namen der Gesellschaft der Militär-Motorfahrer des Kantons Zürich (GMMZ) darf ich Euch herzlich zum diesjährigen Oldtimer-Gönneranlass hier in der K3 Handwerkcity in Wallisellen einladen – und mit Euch auf unsere schönen Oldtimer anstossen.
K3 Handwerkcity
Wir befinden uns an einem geschichtsträchtigen Ort. 1955 gründete Dr. Kurt Schleuniger die Firma Ratrac – vielen unter uns dürfte diese Marke noch ein Begriff sein. In den 1960er- und 1970er-Jahren war Ratrac Marktführer bei Pistenfahrzeugen. Nach einer bewegten Zeit verschwand die Marke, und das Gelände wurde 1977 von Andreas Meyer, der Firma Hortechnica AG, übernommen.
Zwischen 2018 und 2020 wurde das K3 erbaut. Heute ist es als Handwerkcity in Wallisellen bekannt und beherbergt rund 44 KMU-Betriebe – und verfügt über die ertragsreichste Fassaden-Solaranlage Europas mit einer Gesamtfläche von 3’900 m².
Ende 2024 mussten unsere drei Saurer-Oldtimer nach 16 Jahren ihr bisheriges Domizil im Holzschopf von Hans Näf an der Opfikonerstrasse 43 – auf der gegenüberliegenden Seite von Wallisellen – verlassen und vorübergehend in ein Provisorium in der K3 Handwerkcity umziehen. Für die Zeit danach ist eine langfristige Mietlösung, ebenfalls in Wallisellen, gesichert. Damit ist die Unterbringung unserer Fahrzeuge für die kommenden Jahre gewährleistet.
An dieser Stelle möchte ich Hans Näf im Namen von uns allen herzlich für seinen grossen Einsatz bei der Suche nach einer geeigneten Lösung für die Garagierung danken. Wer schon einmal versucht hat, in der Region Wallisellen eine passende Mietfläche für Oldtimer zu finden, weiss, wie schwierig das ist.
Werfen wir nun einen Blick zurück auf die Geschichte der Saurer-Dieselmotoren:
Arbon um 1928
Zwischen 1928 und 1934 arbeitete Saurer intensiv an der Verbesserung der Verbrennungssysteme und der daraus resultierenden Leistungssteigerung des Dieselmotors. Durch aufwendige Forschung und die Umstellung von Vorkammereinspritzung auf Direkteinspritzung konnten eine Leistungssteigerung von rund 20–25 % sowie eine Reduktion des Treibstoffverbrauchs um 17 % erzielt werden.
Neben Direkteinspritzung und Doppelwirbelung erhielten die Motoren einen Zylinderkopf mit vier Ventilen. Zudem wurde ein aus dem Rennsport bekannter Trockensumpf verbaut, der auch bei extremen Schräglagen eine zuverlässige Schmierölversorgung sicherstellte.
Die treibende Kraft hinter diesen Innovationen war Hippolyt Saurer, Sohn des Firmengründers Adolf Saurer. Leider verstarb er bereits 1936 in Wien im Alter von nur 58 Jahren.
Die ersten CTDm-Motoren wurden im Oktober 1935 ausgeliefert und leisteten 85 PS. Bis 1962 wurden insgesamt 462 dieser Motoren gebaut und im Saurer M6 verbaut. Der grössere Bruder, der CT1Dm mit grösserem Hubraum, leistet 110 PS und ist im Saurer M8 eingebaut. Beide Motoren sind bis auf etwa fünf Bauteile baugleich.
Die Motorblöcke wurden in der hauseigenen Giesserei aus einer hochfesten Aluminium-Silizium-Legierung gegossen. Aufgrund der geopolitischen Lage wurden die Einspritzpumpen von Saurer oder Bosch gefertigt; die Einspritzdüsen stellte Saurer ebenfalls selbst her.
Zur Erinnerung: Der erste serienmässige 4-Ventil-Motor wurde 1972 im Jensen-Healey verbaut. Toyota brachte 1985 im Land Cruiser einen turboaufgeladenen Direkteinspritz-Dieselmotor auf den Markt – einer der ersten Direkteinspritz-Dieselmotoren in einem Geländewagen.
Wir besitzen also ein Meisterwerk der Technik – und nach wie vor ein Meilenstein der Motorenentwicklung.
Der Ururenkel des CTDm, der FPT Industrial Tector 7 (verbaut in IVECO-Lkws), leistet heute 320 PS bei gleichem Hubraum – und trägt noch immer etwas „Saurer-DNA“ in sich, da die Motorenforschung der ehemaligen Saurer-Werke von IVECO/FPT übernommen wurde.
Reparatur Saurer M8
Der Motor des M8 ist beinahe fertiggestellt. Einige Kleinarbeiten sind noch auszuführen. Ein anschliessender Testlauf auf dem Prüfstand erfolgt, bevor der Einbau vorgenommen wird.
Ein Umlenkhebel der Lenkung befindet sich derzeit extern in Revision, da uns die dafür nötigen Maschinen fehlen. Das Verteilergetriebe muss ebenfalls nochmals überprüft werden – es verliert im Stand weiterhin Öl.
Nach dem Einbau der Motor-Getriebeeinheit folgen noch Karosseriearbeiten, die wir extern vergeben werden.
Ziel ist es, dass alle drei Oldtimer im nächsten Jahr an der Route 18x18 bzw. den Arbon Classics teilnehmen können.
Bisher wurden rund 400 Arbeitsstunden geleistet und CHF 35’500.– in die Revision investiert.
Ausblick Saurer M6
Der Motor des M6 bereitet uns derzeit etwas Sorgen: Je nach Last treten im Betrieb ungewöhnliche Geräusche auf. Deshalb werden wir auch diesen Motor revidieren müssen.
Für diesen Zweck konnten wir einen baugleichen Motor aus einem Abbruchfahrzeug übernehmen. Dieser wird aufgearbeitet und zusammen mit einem noch zu revidierenden Getriebe in den M6 eingebaut.
So kann der M6 weiter betrieben werden, bis der Austauschmotor und das Getriebe bereit sind. Ein genauer Zeitplan lässt sich aktuell noch nicht nennen und hängt von den Restarbeiten beim M8 ab. Die dafür benötigten Ersatzteile haben wir grösstenteils an Lager.
Ausblick Saurer 4MH
Für den 4MH steht am 9. Juli 2025 der obligatorische Vorführtermin an. Wir sehen diesem Termin gelassen entgegen – das Fahrzeug befindet sich in einem sehr guten Zustand.
Herausforderungen
Die drei Saurer-Oldtimer sind nun seit 32 Jahren (M8 und 4MH) bzw. 27 Jahren (M6) im Besitz der GMMZ. Es gehört nicht zu den Kernkompetenzen eines ausserdienstlichen Militär-Motorfahrer-Vereins, eigene Oldtimer zu halten.
Dennoch hat sich die GMMZ einst bewusst für deren Erhalt entschieden, und seither sind diese Fahrzeuge eng mit ihrer Geschichte verbunden.
Um den Fortbestand der drei Oldtimer zu sichern, ist die GMMZ auch weiterhin auf die grosszügige Unterstützung von Privatpersonen, Firmen und Stiftungen angewiesen – sei es in Form von zweckgebundenen Spenden, Ersatzteilen oder ehrenamtlicher Arbeit.
Ein grosses Dankeschön gilt daher unseren Gönnerinnen und Gönnern, die mit ihren Spenden diese zahlreichen Arbeiten erst möglich machen.
Ein besonderer Dank geht an das engagierte GPD-Team, das mit viel Herzblut, Leidenschaft und Fachwissen den Unterhalt sicherstellt – und unsere schönen Oldtimer regelmässig einem breiten Publikum präsentiert.
Im Juni 2025
GMMZ Präsident
Maj Jürg Näf