Oldtimer-Gönneranlass
Werte Gäste
Geschätzte Gönnerinnen und Gönner
Geschätztes GPD-Team
Im Namen der GMMZ darf ich Euch herzlich zum diesjährigen Oldtimer-Gönneranlass hier in der K3 Handwerkcity in Wallisellen begrüssen.
Für all jene, die heute das erste Mal im K3 sind, noch ein paar Worte zu unserer Örtlichkeit:
Wir befinden uns an einem geschichtsträchtigen Ort. Hier gründete Dr. Kurt Schleuniger 1955 die Firma Ratrac, die in den 1960er- und 1970er-Jahren mit ihren Pistenfahrzeugen Marktführer war. Nach einer bewegten Zeit verschwand die Marke, und das Gelände wurde 1977 von Andreas Meyer beziehungsweise der Hortechnica AG übernommen.
Zwischen 2018 und 2020 wurde das K3 erbaut. Heute ist es als Handwerkcity in Wallisellen bekannt, beherbergt rund 44 KMU-Betriebe und verfügt über die ertragsreichste Fassaden-Solaranlage Europas mit einer Gesamtfläche von 3'900 m².
Für uns bietet das K3 ideale Bedingungen: Seit unserem Umzug vor rund einem Jahr können wir unsere Oldtimer ganzjährig in modernen und beheizten Räumlichkeiten unterhalten und instandsetzen.
Wenn man mit Oldtimern arbeitet, lernt man schnell: Sie haben ihren eigenen Charakter – und manchmal auch ihren eigenen Zeitplan. In den letzten Jahren haben sie uns zudem zuverlässig eines gelehrt: Sie sind immer ehrlich, wenn etwas nicht stimmt.
Ich möchte Euch nun einen Rückblick auf die Revision des Saurer M8 geben sowie einen Blick auf die kommenden Herausforderungen werfen. Sicher ist: Uns geht die Arbeit nicht aus.
Rückblick Revision Saurer M8
Im Oktober 2023 bauten wir während des GPD den Motor und das Getriebe des Saurer M8 aus. Dafür mussten wir zuerst die Ladebrücke mit vier Kettenzügen an das Hallendach anheben, um genügend Platz für die Arbeiten zu schaffen. Nach dem Entfernen diverser Leitungen, Schaltgestänge usw. und dem Ablassen des Kühlwassers bauten wir den Motor mithilfe des Hallenkrans und des Staplers aus. Anschliessend reinigten wir das Chassis in der Waschhalle und schmierten die fast unendlich vielen, sonst kaum erreichbaren Schmiernippel ab.
Parallel dazu zerlegten wir Motor und Getriebe, um die Teile ebenfalls in der Waschhalle und im Teilereiniger der Truck AG in Kloten – einer Anlage, die wie eine grosse Geschirrspülmaschine aussieht – vom jahrzehntealten Schmutz zu befreien. Anschliessend konnten wir den Zustand der einzelnen Bauteile beurteilen.
Am Schaltgetriebe stellten wir einen erheblichen Verschleiss an den Zahnrädern fest, bedingt durch die nicht immer geräuschlosen Schaltvorgänge. Da wir im Laufe der Räumungsarbeiten noch überzählige Getriebe zur Ersatzteilgewinnung zerlegten, konnten wir einen kompletten neuen Rädersatz einbauen. Wir lackierten das Getriebegehäuse neu und ersetzten sämtliche Stehbolzen. Zudem erneuerten wir alle verschlissenen Kugellager und Wellendichtringe. Einige Lagerbüchsen des Schaltgestänges fertigten wir neu an, da sie nicht mehr verfügbar waren. Anschliessend bauten wir das Getriebe wieder zusammen. Ab April 2025 war es für den Wiedereinbau bereit.
Während der Zerlegung des Motors zeigten sich deutlich grössere Verschleisserscheinungen als ursprünglich angenommen. Wir waren erstaunt, dass der Motor überhaupt noch so gut gelaufen ist. Aus der ursprünglich geplanten kleinen Revision wurde eine komplette Zerlegung. Dabei reinigten wir sämtliche Teile gründlich. Wir ersetzten gefühlt hundert Stehbolzen – das Schraubenmaterial aus den 1940er-Jahren war nicht besonders hochwertig. Da kann es schon vorkommen, dass eine Schraube beim Anziehen nicht hält, sondern abreisst. Das ist besonders ärgerlich, wenn wir anschliessend Bauteile erneut demontieren müssen.
Wir ersetzten die Zylinderlaufbüchsen und Kolbenringe. Da die Kolbenringe nicht mehr verfügbar waren, liessen wir sie neu anfertigen.
Die Kurbelwelle, die Pleuel und die Zylinderköpfe gaben wir extern zur Überholung, da uns die notwendigen Maschinen und das Fachwissen fehlen. Dabei ersetzte der Fachbetrieb sämtliche Ventile, arbeitete die Ventilsitze auf und erneuerte die verschlissenen Ventilführungen. Diese Arbeiten wurden bereits im September 2024 ausgeführt.
Zwischen September 2024 und Januar 2025 arbeiteten wir am M8 nur wenig, da wir mit dem Umzug vom alten Domizil ins K3 beschäftigt waren.
Ab Januar 2025 bauten wir den Motor Schritt für Schritt wieder zusammen. Dank des angepassten Montagebocks konnten wir den Motor jeweils in die optimale Arbeitsposition drehen. Mit der Krananlage liessen sich Motor und Bauteile präzise positionieren.
Während des GPD im September 2025 starteten wir den Motor erstmals. Entsprechend gespannt waren wir, ob alles funktionieren würde. Zu unserer Freude schnurrte der Motor anschliessend wie ein junges Kätzchen.
Am M8 führten wir zudem verschiedene Reparaturen aus, die möglich wurden, weil der Motor nicht im Chassis eingebaut war. Der Umlenkhebel der Lenkung wies viel Spiel auf und musste aufgearbeitet werden. Diese Arbeiten vergaben wir ebenfalls extern, da wir weder aufchromen noch schleifen können. Zudem fertigten wir neue Dieselleitungen an, da die alten etwas ramponiert waren.
Während des GPD im Oktober 2025 bauten wir Motor und Getriebe wieder ins Chassis ein – die sogenannte „Hochzeit“. Mithilfe eines Gabelstaplers und mehrerer Kettenzüge hoben wir die Einheit ins Chassis. Anschliessend schlossen wir die Schaltgestänge an und verbanden die Ladebrücke wieder mit dem Chassis. Bei den Einstellarbeiten an der Kupplung stellten wir jedoch fest, dass sie sich nicht korrekt einstellen liess. Nach Beratung und Versuchen kamen wir zum Schluss, dass wir die Ladebrücke nochmals anheben und das Getriebe vom Motor trennen mussten, um die Ursache zu finden.
Die nächste Herausforderung liess nicht lange auf sich warten: Wie baut man das Getriebe im eingebauten Zustand aus? Ganz einfach – wir konstruierten einen Hilfskran zwischen Chassis und Ladebrücke. Damit konnten wir die gesamte Motor-Getriebe-Einheit anheben und anschliessend das Getriebe vom Motor trennen. Danach zerlegten wir die Kupplung. Dabei musste ich feststellen, dass ich die Reibscheibe falsch eingebaut hatte – sie ist um wenige Millimeter asymmetrisch. Anschliessend bauten wir alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen.
Da das Verteilergetriebe trotz einer früheren Revision im Stand weiterhin Öl verlor, bauten wir es im Zuge der Korrektur an der Kupplung ebenfalls aus und dichteten es neu ab. Dabei bauten wir ein Schauglas für den Ölstand sowie eine Magnetschraube ein.
Unser Ziel, mit allen drei Oldtimern an der Route 18x18 beziehungsweise den Arbon Classics teilzunehmen, konnten wir leider nicht erreichen, da der M8 nicht rechtzeitig fertig wurde.
Die aufgewendeten Arbeitsstunden lassen sich nicht genau beziffern, dürften aber mehrere hundert betragen. Während der gesamten Revision unterstützte mich das GPD-Team tatkräftig. Gemeinsam führten wir zusätzliche GPD-Einsätze durch, die wesentlich zum erfolgreichen Abschluss des Projekts beitrugen. Diese Unterstützung gab mir wieder neue Motivation, das Projekt konsequent weiterzuführen und abzuschliessen. Die Gesamtkosten werden sich bis zum Abschluss der Arbeiten auf rund Fr. 50'000.– belaufen.
Herausforderungen
Der Motor des Saurer M6 bereitet uns derzeit etwas Sorgen: Je nach Last treten im Betrieb ungewöhnliche Geräusche und Rauchzeichen auf. Deshalb werden wir auch diesen Motor revidieren müssen.
Für diesen Zweck konnten wir einen baugleichen Motor aus einem Abbruchfahrzeug übernehmen. Dieser wird aufgearbeitet und zusammen mit einem noch zu revidierenden Getriebe in den M6 eingebaut.
So kann der M6 weiter betrieben werden, bis der Austauschmotor und das Getriebe bereit sind. Ein genauer Zeitplan lässt sich aktuell noch nicht nennen und hängt von den Restarbeiten beim M8 ab. Die benötigten Ersatzteile haben wir grösstenteils am Lager.
Beim Saurer 4MH müssen wir zwei Radnaben nochmals revidieren, da sie zunehmend Öl verlieren. Dies führt zu ungewollten „Reviermarkierungen“, was besonders beim Parkieren mühsam ist.
Über kurz oder lang werden wir bei allen Saurer die Differentiale neu abdichten müssen, da sie altersbedingt langsam zu viel Öl verlieren.
Dank und Schluss
Die drei Saurer-Oldtimer sind nun seit 33 Jahren (M8 und 4MH) beziehungsweise 28 Jahren (M6) im Besitz der GMMZ. Der Unterhalt eigener Oldtimer gehört zwar nicht zu den eigentlichen Kernkompetenzen eines Militär-Motorfahrer-Vereins. Die GMMZ hat sich dennoch bewusst für diesen Weg entschieden und die damit verbundenen Verpflichtungen und Herausforderungen angenommen. Seither sind die Fahrzeuge eng mit der Geschichte der GMMZ verbunden.
Der Wert dieser Fahrzeuge lässt sich nur schwer beziffern, da er in erster Linie symbolischer Natur ist. Unbestritten ist jedoch, dass es sich bei diesen Saurer-Oldtimern um echte und einzigartige Raritäten handelt.
Um den Fortbestand der drei Oldtimer zu sichern, ist die GMMZ weiterhin auf die grosszügige Unterstützung von Privatpersonen, Firmen und Stiftungen angewiesen – sei es in Form von Spenden, Ersatzteilen oder ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen.
Ein grosses Dankeschön gilt unseren Gönnerinnen und Gönnern, die mit ihren Spenden diese Arbeiten überhaupt erst möglich machen.
Ein besonderer Dank geht an das engagierte GPD-Team, das mit viel Herzblut, Leidenschaft und Fachwissen den Unterhalt sicherstellt – und unsere schönen Oldtimer regelmässig einem breiten Publikum präsentiert.
Erheben wir nun das Glas und stossen auf unsere schönen Oldtimer an.
Im Juni 2026
Präsident GMMZ
Maj Jürg Näf